Mikrokosmos StadtLeben

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Mikrokosmos StadtLeben

Alles, was sich im Großen abspielt, findet ebenso in unserem direkten Umfeld statt. Von Jung bis Alt erleben wir permanente Veränderungen in sämtlichen Lebensbereichen und spüren den Einfluss auf unser tägliches Leben.
In der Stadt, in der wir wohnen, oder an unserem Heimatort, findet Kommunikation oft noch „körperlich“ statt – sei es der Gruß an den netten Nachbarn oder das geschäftliche Gespräch im Restaurant um die Ecke. In den letzten Jahren werden wir zunehmend aber mit einem neuen Umstand konfrontiert: Die Digitalisierung hat Einzug gehalten. Statt „analog“ wird nun auch „digital“ kommuniziert. Ist das nun ein Fluch oder ein Segen?
Durch das Internet kann heute jeder mit jedem in Kontakt treten. Im Bereich der Kommunikation ist das ein Quantensprung, der der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg gleicht. Doch was machen wir daraus, wie gehen wir damit um und wie wirkt es sich letztlich aus? Das sind Fragen, denen wir bei LebensLanges Lernen immer wieder auf den Grund gehen. Dazu holen wir uns Expertenmeinungen, fangen Stimmen aus der Gesellschaft ein, stellen Fragen und suchen die dazu passenden Lösungen.

Was bedeutet dieses StadtLeben, das Leben in und mit der Stadt? Einen guten Überblick bekommt man, wenn man sich unsere sechs Themenwelten einmal genauer betrachtet.

1. Aus- und Weiterbildung

Das Thema der Ausbildung nimmt seit früher Kindheit einen großen Teil unseres Lebens ein. Bereits im Kindergarten werden Sprache und persönliche Entwicklung geschult und gefördert. Von der Grundschule bis zum Abitur erlangt eine gute Bildung einen immer höheren Stellenwert, je näher die Berufswahl rückt. Schule und Kitas haben daneben heutzutage noch eine weitere Aufgabe: Durch die zunehmende Migration rückt die Integration der Kinder und Jugendlichen durch Bildung und Spracherwerb immer weiter in den Vordergrund. Kommunikation ist also ein großes Thema. Die Ausbildung oder das Studium führen oftmals zu einem ersten Wechsel im Stadtleben – die Heimatstadt wird häufig verlassen und durch eine neue ersetzt. Plötzlich gibt es zwei Heimatstädte – die, in der unsere Wurzeln sind, und die, in der wir unser neues Leben starten. Zweitere kann, vor allem bei Beginn eines Studiums, durchaus auch im Ausland liegen – wie schön, dass wir heute via WhatsApp, Skype und Facebook problemlos Kontakt „nach Hause“ halten können!

2. Gesellschaft und Umwelt

Gesellschaft ist das wohl weitgreifendste Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Familie und Freunde bilden den nächstliegenden gesellschaftlichen Kreis eines jeden von uns, der kleine Kreis weitet sich dann aus zu Nachbarn, Mitarbeitern bis hin zu Verkäufern, Ärzten, Postangestellten usw., mit denen wir regelmäßig kommunizieren und agieren. Der Einzelhandel sieht sich in fast allen Städten aber mittlerweile großen Problemen gegenüber; durch die Möglichkeit des Online-Shoppings werden regionale Läden seltener aufgesucht. Viele Einzelhändler würden daher auf die oben gestellte Frage antworten, dass sie die Digitalisierung als Fluch sehen. Allerdings bietet ebendiese auch Möglichkeiten, die Geschäfte am Laufen zu halten.
Das Thema Umwelt umfasst nicht nur die sehr wichtigen Themen des Natur- und Tierschutzes, in den vergangenen Jahren wurden vor allem die Rufe nach erneuerbarer Energie immer lauter. Viele Kommunen arbeiten fieberhaft daran, diese mehr und mehr einzubeziehen. Besonders die Elektromobilität ist dabei ein aktueller Schwerpunkt, ebenso wie das nachhaltige Bauen.

3. Lesen und Hören

Was hat die Tatsache, welche Bücher ich lese oder welche Musik ich höre, mit meiner Stadt zu tun? Eine ganze Menge! Bibliotheken zum Beispiel leben von der Leselust der Bürger und kämpfen in Zeiten von eBooks vermehrt ums Überleben. Dabei setzen viele von ihnen mittlerweile durch die Möglichkeit der „Onleihe“ ebenfalls auf die neuen Techniken der Digitalisierungen – mitziehen statt überrollt zu werden lautet hierbei die Devise.
Beim Thema „Hören“ steht eines im Stadtleben ganz klar im Vordergrund: Die Veranstaltungen! Konzerte, Festivals, Talentwettbewerbe: Hier kommen alle zusammen und frönen der gemeinsamen Freude an der Musik. Veranstaltungskalender bieten einen Überblick über das, was in unseren Städten los ist.

4. Kunst und Kultur

Die Kulturlandschaft einer Stadt lebt von und mit ihren Besuchern. Museen erfüllen mit ihren regelmäßig wechselnden Ausstellungen und der Museumspädagogik einen wichtigen Bildungsaspekt, ebenso auch Theater- oder Tanzaufführungen. Integrationsarbeit gehört dazu; für Flüchtlinge gibt es inzwischen viele kulturelle Projekte, die auch finanziell gefördert und unterstützt werden. Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche dienen als sinnvolle Freizeitbeschäftigung und helfen, das eigene kreative Potential auszuleben. Kultur hält zudem die Geschichte lebendig und fördert bei gemeinsamen Unternehmungen den Familienzusammenhalt. Auf die Kunst- und Kulturlandschaft wirkt sich die Digitalisierung eher positiv aus, da Ausstellungen, Veranstaltungen etc. leichter und weitläufiger beworben werden können. Vor allem soziale Netzwerke werden hierfür gerne genutzt.

5. Reisen und Erleben

Tourismus ist für viele Städte maßgeblich zum Überleben. Dies gilt sowohl für die Tourismusverbände als auch für Restaurantbesitzer, Hoteliers und viele andere. Um für Touristen interessant zu sein, müssen Städte etwas zu bieten haben: besondere Sehenswürdigkeiten, interessante Veranstaltungen, schöne Wanderwege. Dazu ist eine gut ausgebaute Infrastruktur wichtig, ebenso wie eine gepflegte Erscheinung des Stadtbilds und im besten Fall auch gute Einkaufsmöglichkeiten. Mittlerweile fast ebenso wichtig ist eine gute Onlinepräsenz der Städte, denn Mund-zu-Mund-Empfehlungen werden immer seltener und selbst wenn, wird in der Regel noch einmal online gegengecheckt.

6. Gesundheit und Fitness

Beim Umzug in eine neue Stadt spielt auch der Gesundheitsfaktor eine wichtige Rolle. Vor allem auf dem Land hat das Schreckgespenst Ärztemangel Einzug gehalten; immer wieder liest man von der Schließung von Praxen. Deshalb schauen viele vor dem Ortswechsel: Gibt es in der neuen Stadt einen guten Haus-, Zahn- und Kinderarzt? Ebenfalls von Interesse ist für viele der Fitnessfaktor. Gibt es ein gutes Fitnessstudio mit einem breit gefächerten Angebot? Da diese Aspekte zu einer höheren Lebensqualität beitragen, werden sie bei jedem Umzug in Betracht gezogen.

Fazit: Die Ursprungsfrage lautete: Digitalisierung – Fluch oder Segen? Wir sagen: Von beidem ein bisschen, wobei der Segen überwiegt. Die Digitalisierung hat sowohl bei der Kommunikation als auch bei der Informationsgewinnung zu erheblichen Erleichterungen beigetragen und wird dies auch weiterhin tun. Es ist spannend zu beobachten, wohin all die neuen Errungenschaften auf diesem Gebiet noch führen werden. Für viele Branchen, besonders im Einzelhandel, wartet die Digitalisierung allerdings mit Nachteilen auf. Das Onlineshopping macht dem Bummel durch die Fußgängerzone große Konkurrenz und hat ihn mancherorts schon fast vollständig abgelöst. Hier müssen Lösungsansätze für die Einzelhändler geboten werden, um ihre Existenz aufrecht zu erhalten. Diese sind bereits in einigen Bereichen vorhanden – Online-Angebote und Regionalität werden dabei miteinander verwoben, so dass lokale Produkte auch online bestellt werden können. Die Digitalisierung führt auch zur Grundsatzdiskussion, ob wir mehr Globalisierung in Form von Standardisierung und Prozesssteuerung wünschen, oder ob uns mehr Menschlichkeit, Gemeinschaft, Familie und Werte wichtiger sind, ein Dialog der gerade erst richtig beginnt. Wir von lebenslangeslernen.net gestalten gerne mit Ihnen die Foren dafür.
Red.: LLL/SR
Foto: Antoniogullem/fotolia.com

Kommentar von Dieter Fuhrländer
Unter dem Motto – QUO VADIS Stadt der Zukunft – fand gerade in Neu-Isenburg ein Messekongress mit fuhrlaender_passfotozahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden statt. Mehr als interessant war zu beobachten was die Besucher, Teilnehmer und Referenten umtreibt, welche Trends man davon ableiten kann und was Stand der Dinge ist.
Das Thema Nr. 1 ist Gesundheit. Erleben wir jetzt einen Wertewandel? Bei dem gesunde Umweltbedingungen wichtiger als Geld sind, Zufriedenheit und Wohlfühlen am Arbeitsplatz eine höheren Stellenwert haben, Lösungen zur Mobilität in den verschiedenen Lebensphasen gefragt sind, Familie und Freizeit bei Jungunternehmern und Nerds Vorrang haben, man lieber teurere, regionale Produkte statt Industriefutter bevorzugt?
Wenn es ein Trend wird, Dinge zu hinterfragen, die man bisweilen den anderen überlassen hat, freue ich mich auf die weitere Entwicklung in unseren Städten und Kommunen. Vor allem jedoch auf die innovativen Lösungen, die von vielen kleinen, findigen Unternehmen entstehen, denen das Festhalten an alten Programmen und Machtstrukturen fremd ist. „Kauf‘ lokal!“ wird zum Slogan, weil Achtsamkeit hier und jetzt von jedem Bürger benötigt wird. Verantwortungsvolle Konsumenten und Unternehmer wie Politiker, denen ihre Heimat wichtig ist – das ist mal ein Trend!
Es grüßt Sie
Dieter Fuhrländer

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