Frankfurter Buchmesse: Die größte Buchfamilie der Welt

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Frankfurter Buchmesse: Die größte Buchfamilie der Welt

Es ist jedes Jahr das Gleiche. Wenn ich am Mittwochmorgen, dem ersten Tag der Frankfurter Buchmesse, über das Gelände laufe, auf dem die Mitarbeiter im Halbdunkel die letzten Handgriffe ausführen, erfasst mich ein ganz besonderes Gefühl: fast wie Nachhause kommen. Auf diesen Event freue ich mich immer schon das ganze Jahr, und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.

Der erste Tag steht dabei noch ganz im Zeichen der Arbeit: Wir von LebensLanges Lernen betreuen jedes Jahr einen Stand auf dem Bildungskongress, der zur Frankfurter Buchmesse gehört. Zwischen interessanten Vorträgen und Gesprächen mit Lesern schaffen wir es dabei immer wieder, neue Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern zu knöpfen. Das ist einer meiner liebsten Arbeitstage im ganzen Jahr!

Ist Büchersucht bedenklich?

Jetzt kommt wohl der Punkt, an dem ich mich zu meiner Büchersucht bekennen muss… Donnerstag und Freitag der Buchmesse sind bei mir als feste Urlaubstage eingeplant, damit ich mindestens dreimal, teilweise bis zu fünfmal dort sein kann. Selbst meine Bildungs- und Buch-affinen Kollegen schütteln teilweise den Kopf – aber was wäre das Leben schon ohne kleine Macken, oder? Und schließlich gibt es ja auch jeden Tag etwas Neues zu entdecken!
Dieses Jahr waren Freitag und Samstag meine auserwählten Tage. Da der Freitag noch zu den Fachbesuchertagen zählt, war das Bummeln über die Messe recht entspannt. So hatte ich Zeit, mich bei den mehr als 7000 Ausstellern über die Neuerscheinungen und geplanten Projekte zu informieren und auch mit einigen Autoren wie Karikaturist Joscha Sauer oder Jugendbuchautor Kai Meyer einige persönliche Gespräche zu führen. Dabei bin ich auch auf das erste Manko der diesjährigen Buchmesse Frankfurter Buchmessegestoßen: Einige Lesungen und Signierstunden, wie eben jene von Kai Meyer, fanden in der Buchhandlung Hugendubel in der Frankfurter Innenstadt statt. Das war zwar durch die geringe Besucheranzahl angenehm (was war angenehm?), durch das Pendeln zwischen Messe und Innenstadt ging allerdings auch viel Zeit verloren, wodurch ich interessante Veranstaltungen auf dem Messegelände verpasste. Hier mussten ganz klar Prioritäten gesetzt werden; alles war leider nicht möglich.

 

„Muss denn jeder ein Buch schreiben?“

Noch wesentlich vollgepackter war mein Terminplan am Samstag. Bei etwa 20 Veranstaltungen, die ich mir als potentiell interessant notiert hatte, musste ich noch stark selektieren. Hinzu kam, dass die Messe nun für alle Besucher geöffnet war – eine Möglichkeit, die von zahlreichen Menschen genutzt wurde. Etwa 278.000 Menschen nahmen 2016 an der größten Buchmesse der Welt teil, unter ihnen eine kleine Redakteurin, die selig grinsend durch die vollgestopften Gänge wanderte.
Ein paar der prominenten Gäste wollte ich dann auch gerne live erleben, und so stand die Signierstunde mit Fernsehmoderator Oliver Geissen als erstes auf dem Programm. „Wie, schreibt der jetzt auch noch? Muss denn jeder Frankfurter Buchmessein Buch schreiben?“ geht Ihnen jetzt sicher durch den Kopf – zumindest war es bei mir so, als ich ihn im Programm der Frankfurter Buchmesse entdeckt hatte. Dann allerdings habe ich mir seinen Roman einmal genauer betrachtet und musste direkt beim Lesen des Klappentexts schmunzeln. „Kokostee“ klingt vielversprechend und steht jetzt signiert in meinem Bücherregal. Manchmal muss man einfach offen für Neues sein!

Tee und Messekoller

Nachdem ich Fantasy-Bestseller-Autor Markus Heitz zufällig an der Bar beim Teetrinken getroffen hatte (Ja, Tee, nicht Kaffee! Darauf besteht er!), war es Zeit, von der ruhigen Fachbesucherin in den Fan-Girl-Modus zu wechseln: Thriller-Autor Sebastian Fitzek beglückte seine Fans mit einer Lesung inklusive anschließender Signierstunde. Dank meiner bisherigen Buchmesseerfahrungen verzichtete ich auf die Lesung und stellte mich eine geschlagene Stunde vor Beginn der Signierstunde an – was eine gute Idee war, denn es sollte sich herausstellen, dass hinter mir weitere 200 Menschen versuchten, an eines der begehrten Autogramme zu kommen. In Anbetracht dieser Menge wirkte Herr Fitzek jedoch erstaunlich entspannt und war sogar für ein kurzes, aber sehr nettes Gespräch zu haben. Ob ich denn noch keinen Messekoller hätte nach den letzten drei Tagen? Nein, hatte ich nicht! Schmunzeln musste ich über die Platzierung der Signierstunde. Sie fand in Halle 3.1 neben der Abteilung für religiöse Bücher statt – wer bereits einen von Fitzeks Thrillern gelesen hat weiß über die Komik dieser Nachbarschaft Bescheid.

Kulinarischer Kick

Mittlerweile taten mir schon ganz schön die Füße weh, sodass ich beschloss, der Showküche einen Besuch abzustatten. Hier fand gerade ein Schokoladenworkshop mit einem Mitarbeiter des Brügger Schokoladenmuseums Frankfurter Buchmessestatt – perfekt für Naschkatzen wie mich! Brügge deshalb, weil Flandern neben den Niederlanden das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2016 war. Die Zuschauer hatten während des Workshops die Möglichkeit, die Schokoladenspezialitäten selbst zu probieren und alle Fragen zu stellen, die ihnen auf den Herzen lagen.
Mittlerweile gefiel es mir hier so gut, dass ich auch zum letzten Tagesprogrammpunkt blieb: Eine Kochshow mit Fernsehkoch Tim Mälzer. Letztendendes wurde daraus mehr Show als Kochen, doch ich muss sagen, dass ich mich wirklich amüsiert habe. Und ganz unproduktiv war Herr Mälzer dann doch nicht; die Spinatknödel wurden zwar nicht mehr fertig, dafür gab es für die Zuschauer Lachs auf Fenchel-Zuckerschoten-Gemüse und dazu gesalzene Ofenkartoffeln. Eine kleine, aber köstliche Stärkung vor der Heimfahrt!

Zu viel Buch? Gibt´s nicht!

Wenn ich jetzt zurückblicke, dann war die Frankfurter Buchmesse 2016 für mich wieder eine fantastische Erfahrung. Und das liegt nicht nur an den Autoren und Prominenten, sondern von allem an den vielen tollen, buchbegeisterten Menschen, unter denen man sich wie in der größten Buchfamilie der Welt fühlt. Ich gebe zu: Ich bin begeisterte Buchblog-Leserin und auch in den sozialen Netzwerken in zahlreichen Buchgruppen vertreten, einfach weil ich es liebe, Gedanken über Bücher auszutauschen und keine wichtige Neuerscheinung zu verpassen. Erkenne ich dann jemanden aus dieser Blogger- und Buchfreundewelt, spreche ich die Person einfach an – und habe damit durchweg positive Erfahrungen gemacht. Es ist, als würde man sich schon jahrelang kennen.

In diesem Sinne: Wenn sie es bisher noch nicht auf die Frankfurter Buchmesse geschafft haben, sollten Sie das – eine gewisse Literaturaffinität vorausgesetzt – auf jeden Fall nachholen. Ich persönlich freue mich jetzt schon auf die Frankfurter Buchmesse 2017 mit dem Gastland Frankreich!

Red. und Fotos: Sabine Rippberger

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