Tolle Aktion: Kinder- und Jugendbücher für die Tafeln

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Tolle Aktion: Kinder- und Jugendbücher für die Tafeln

Seit 2009 sammelt die Selbst.Los! Kulturstiftung in Kooperation mit Verlagen und Buchhandlungen neue Kinder- und Jugendbücher und verteilt sie über die Tafeln an Kinder, die sich aufgrund ihrer sozialen Situation, keine Bücher kaufen können. Für ihr herausragendes Engagement für die Leseförderung wurde die Stiftung im November 2016 mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2013 jährlich von der Stiftung Lesen, der Commerzbank-Stiftung und weiteren Partnern ausgelobt und stand 2016 unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka. Auch der Bundesverband Deutsche Tafeln bedankte sich bei der Selbst.Los! Kulturstiftung mit einer Auszeichnung.

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“

Unter diesem Motto startete das Verlegerehepaar Annelie und Wilfried Stascheit das Projekt „Bücher für die Tafeln“ auf der Frankfurter Buchmesse 2009. Getragen wird das Engagement von der Selbst.Los! Kulturstiftung, die das Ehepaar 2007 gründete. Die Stiftung fördert Aktivitäten, die die Voraussetzung für eine aktive Teilnahme am kulturellen Leben schaffen oder verbessern. Wissend, dass prozentual sicher genauso viele Bücher weggeworfen, verramscht und makuliert werden wie Lebensmittel, baten Annelie und Wilfried Stascheit bei Verlegern um Bücherspenden. Fast nirgendwo wurde diese Bitte ausgeschlagen. So konnten in einem ersten Versuchslauf 30.000 Bücher über das Logistiknetz der Tafel in Baden-Württemberg verteilt werden. Als sich dann der Barsortimenter KNV in Stuttgart bereit erklärte, zu günstigen Konditionen Lagerung, Konfektionierung und Versand zu übernehmen, konnten auch die buchhändlerischen Strukturen für die effektive Verteilung der Bücher genutzt werden. Mehr als 200 Tafeln aus ganz Deutschland beteiligten sich an dieser ersten Aktion. Der Erfolg ermutigte die Initiatoren, ihr Engagement fortzusetzen.

Kinder brauchen eigene Bücher

Für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen sammeln die Tafeln bundesweit überschüssige Lebensmittel im Handel und bei Herstellern ein und verteilen sie kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag in Tafel-Läden und Ausgabestellen. Was bei vielen Lebensmitteldiscountern, kleinen Einzelhandelsgeschäften und dem Bäcker um die Ecke klappt, nämlich brauchbare „Reste“ dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, das sollte doch auch im Buchhandel möglich sein, dachte sich das Verlegerehepaar Stascheit und nutzte seine Verbindungen, um Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die gute Sache zu gewinnen. In Deutschland leben mehr als 2,5 Mio. Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer familiären und sozialen Situation keine Möglichkeit haben, eigene Bücher zu besitzen. Mit ihrer seit 2009 jährlich stattfindenden Aktion „Bücher für die Tafeln“ möchte die Selbst.Los! Kulturstiftung erreichen, dass jedem dieser Kinder mindestens ein Buch geschenkt werden kann. Viele Kinder- und Jugendbuchverlage spenden Bücher, teils aus Lagerbeständen oder Exemplare mit geringen Mängeln. Kleine Bindefehler oder Farbabweichungen schmälern jedoch nicht das Lesevergnügen. Neue Bücher geschenkt zu bekommen ist für Kinder, die in Armut leben, etwas ganz Besonderes. Für viele von ihnen sind dies die ersten Bücher, die wirklich ihnen gehören, und das ist wichtig.

Danke für die kostbaren neuen Bücher für die Tafeln!

Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V., dankte allen Beteiligten: „Für Menschen, die sich jederzeit ein Buch kaufen können, ist es kaum vorstellbar, welche Emotionen so ein Buchgeschenk auslösen kann. Mit ihrer Spende machen die Verlage, die Auslieferung, die Buchhandlungen und die Selbst.Los! Kulturstiftung tausenden Kindern und Jugendlichen bei den Tafeln eine Freude. Kindern von Bedürftigen mangelt es leider häufig an all den Dingen, die für andere Familien selbstverständlich sind: Zoobesuche und Urlaubsreisen – und auch Bücher. Sie sind ein Fenster zur Welt, die allen Kindern offen stehen sollte. Wir sehen daher auch den hohen ideellen Wert, den die Hörbücher und Bücher haben. Herzlichen Dank für diese wunderbaren Spenden“.

Kulturelle Teilhabe soll nicht an Geldmangel scheitern

An der 8. Sommeraktion „Kinderbücher für die Tafeln“ im Sommer 2016 beteiligten sich 18 Verlage und 86 Buchhandlungen. Logistisch ermöglicht wird die Aktion seit einigen Jahren von der Werkstatt-Verlagsauslieferung. Viele Vertriebsleiter planen ihre Mithilfe bei der Aktion fest ein, wenn es um Lagerbereinigung geht. Insgesamt sind in den letzten 7 Jahren mehr als 580.000 Kinder- und Jugendbücher gespendet und verteilt worden. „Ein kleiner Schritt, damit kulturelle Teilhabe nicht an Geldmangel scheitert“, freut sich Annelie Löber-Stascheit.

Lesen ist (nie) umsonst!

Auch in diesem Jahr können sich Verlage, die bereit sind, Bücher in großer Stückzahl zu spenden, und deutschlandweit engagierte Buchhändlerinnen und Buchhändler, die vor Ort zusammen mit den Tafeln und anderen wohltätig arbeitenden Organisationen die Logistik meistern können, für die Aktion „Kinderbücher für die Tafeln“ engagieren. Ein Film berichtet über die Geschichte und den Ablauf dieser Aktion. Er ist hier abrufbar.

Red.: LLL/LiD
Foto: pixabay

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