Stadtbibliothek Bad Vilbel erhält hessischen Bibliothekspreis

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Stadtbibliothek Bad Vilbel erhält hessischen Bibliothekspreis

Den 20. Hessischen Bibliothekspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen erhält die Stadtbibliothek Bad Vilbel für ihre hervorragende gesamtkonzeptionelle Arbeit die mit herausragender Wirkung durch die hohe Akzeptanz und Nutzung durch ihre Bürgerinnen und Bürger bestätigt wird.
Die Bibliothek überspannt die Nidda in Form eines kreativen, lichtdurchfluteten Brückengebäudes und verbindet die Bad Vilbeler Innenstadt mit dem Kurpark. Das außergewöhnliche städtebauliche Projekt mit einer Bibliotheksfläche von 1.200 qm hat die Investition ganz offensichtlich gelohnt, denn die Stadtbibliothek ist seit ihrer Neueröffnung im November 2013 zu einem außerordentlichen Frequenzbringer geworden und trägt nachhaltig zur Belebung der Innenstadt bei.

Anziehungspunkt

Mit Hilfe zusätzlicher Personalstellen wurden zudem die Öffnungszeiten pro Woche auf 42 Stunden verdoppelt. Damit passt sich die Bibliothek den Öffnungszeiten der umliegenden Geschäfte an und trägt dazu bei, dass die Kunden den Bibliotheksbesuch mit anderen Erledigungen kombinieren können. 20,3 % der Einwohner konnten bis heute als aktive Nutzer(innen) der Stadtbibliothek gewonnen werden. Damit belegt die Stadtbibliothek Bad Vilbel einen Spitzenplatz unter den öffentlichen Bibliotheken in Hessen.

Kinder kommen nicht zu kurz

Eine besondere Atmosphäre vermitteln Räumlichkeiten wie die „Kinderwelt“, die in zwei didaktische Zonen gegliedert und mit einem multifunktionalen Projektraum verbunden ist, der über eine mobile Glaswand geöffnet werden kann. Hier hat eine kindgerechte Bestandspräsentation hohe Priorität und die Leseförderung einen hohen Anteil an der bibliothekarischen Arbeit. So gibt es modulare KiTa- und Klassenführungen je nach Alter und jeden Mittwochnachmittag verschiedene Aktionen für Kinder von 2 bis 6 Jahren. Die Krokodildame „Florentine“, eine extra hierfür gestaltete und mit einer Vita ausgestattete Handpuppe, wohnt in der Kinderwelt und fungiert dabei als Maskottchen mit Wiedererkennungswert. Sie begleitet die Veranstaltungen, wird ritualisiert aus ihrer Bleibe geholt und wieder dahin zurückgebracht. Ihr Bild findet sich in verschiedenen Posen überall da, wo Kinder angesprochen werden sollen. Sehr erfolgreich ist auch das „Bilderbuchkino“. Hierfür stehen durch die Mitgliedschaft im Konsortium Onilo ca. 200 animierte Bilderbücher als „Boardstories“ zur Verfügung.

Jugendliche werden seit 2015 mit der „Junge(n)MedienJury“ angesprochen. Hier küren Jugendliche nach einem Konzept von Prof. Ewers ihre besten Bücher, Comics, Mangas oder Filme und können im attraktiven Rahmenprogramm einen Blick hinter die Kulissen eines Kulturbetriebes werfen, z. B. eines Radiosenders oder einer Zeitungsredaktion. Die Medien im Jugendbereich sind „freestyle“ ohne Trennung von Romanen und Sachbüchern inklusive Nonbooks nach Interessenkreisen aufgestellt, und zwar in eigens entwickelten Türmen und Trögen und in unmittelbarer Nachbarschaft zu Lernhilfen.

Service auf hohem Niveau

2008 bis 2010 nahm die Stadtbibliothek Bad Vilbel an dem Projekt „Fit für die Zukunft“ der Hessischen Fachstelle für öffentliche Bibliotheken und des Praxisinstituts Bremen teil. Die hier erstellte Bibliothekskonzeption für Bad Vilbel konnte seit 2013 fast vollständig umgesetzt werden. So wurde der Zielbestand mit 50.086 physischen Medien und dem Einsatz eines jährlichen Medienetats von 2,95 Euro pro Einwohner(in) 2016 erreicht. Hörbücher, Filme, Musik-CDs, Konsolenspiele und CD-ROMs machen einen Anteil von mehr als 30 % des Bestandes aus. Dazu kommen der digitale Zugriff auf das Munzinger Archiv, den Brockhaus Wissensservice und (künftig) auch das Musik-Streaming-Angebot „freegal music“.
Die Entleihungen konnten nach dem Umzug verdoppelt und in 2016 auf 402.167 gesteigert werden. Damit wurde jedes Medium durchschnittlich mehr als achtmal jährlich entliehen. Mit 40.784 umfassen die „Onleihen“ (= befristete Downloads von eMedien über den OnleiheVerbund Hessen) 10% der Ausleihen. Für die selbstständige Ausleihe stehen im Eingangsbereich zwei Selbstverbuchungsautomaten und ein intelligentes Rückgaberegal zur Verfügung. Außerhalb der Öffnungszeiten sorgt eine Außenrückgabestation dafür, dass Medien rund um die Uhr abgegeben werden können.

Animation durch Genuss und Muße

Für die besondere Aufenthaltsqualität der täglich 1.000 Besucher(innen) sorgen sowohl Lounge- als auch Arbeitsplätze, die an den Randbereichen der Räumlichkeit angeordnet sind und Ausblicke in die Stadt, auf den Fluss und in die Natur erlauben. Polstermöbelreihen mit breiten Lehnen laden zum Zeitungs- und Zeitschriftenlesen ein. Die Arbeitsplätze verfügen jeweils über eine Leuchte und eine Steckdose zur Nutzung eigener Geräte, Einzelarbeitsplätze und Viererkombinationen ermöglichen Intimität oder Gemeinschaftsatmosphäre. Insbesondere Schüler(innen), Student(inn)en und Geflüchtete haben die Bibliothek als Lern- und Aufenthaltsort für sich entdeckt.

Der Medienbereich „Deutsch als Fremdsprache“ steht den Geflüchteten für ihren Spracherwerb zur Verfügung.
Im Erdgeschoss des Gebäudes wird ein pächtergeführtes Café betrieben, das einen problemlosen Durchgang zur Bibliothek erlaubt, so dass Kund(inn)en eine Zeitung oder ein aktuelles Zeitschriftenheft mit ins Café und auch gekaufte Speisen und Getränke mit in die Bibliothek nehmen können. Die Kombination von Leseatmosphäre und Kaffeeduft werden sehr gut angenommen. WLAN im gesamten Gebäude, 3 PCs und 10 ausleihbare iPads für den Gebrauch in der Stadtbibliothek sowie ein Smartboard im Jugendbereich stehen für die moderne technische Ausstattung, die auch den Besucher(inne)n direkt zur Verfügung steht.
Mit 203 vielseitigen Veranstaltungen in 2016, davon 137 für Kinder- und Jugendliche, stellt sich die Stadtbibliothek Bad Vilbel gemessen am vorhandenen Personalbestand mit 7 festangestellten und 8 geringfügig Beschäftigten auf 8,6 Vollzeitstellen ebenfalls sehr gut auf.

Bibliothekspreis als Qualitätssiegel

Der Biblioithekspreis ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden. Den Wettbewerbsbedingungen entsprechend darf es ordentliche Haushaltsmittel nicht ersetzen, sondern muss für zusätzliche Maßnahmen im Rahmen der bibliothekarischen Tätigkeit des Preisträgers verwendet werden. Der Jury des Hessischen Bibliothekspreises 2017 gehörten an:

Christian Engelhardt, Landrat Kreis Bergstraße, Vorsitzender des dbv Hessen
Simone Vetter, IMeNS-Verbund Wetzlar, dbv Hessen
Petra Scheuer, Leiterin der Stadtbücherei Lauterbach,
Steffen Gross, Zeitungsgruppe Lahn-Dill, Wetzlar
Dr. Thomas Wurzel, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen,
Bettina Riehl, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehörten unter anderem die Stadtbücherei Lauterbach (2016), die Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda (2015), die Konrad-Duden-Stadtbibliothek Bad Hersfeld (2014), die Stadtbibliothek Bensheim (2013), die Stadtbücherei Marburg (2012) und die Stadtbibliothek Gießen (2011). Im Rahmen des Hessischen Bibliothekspreises vergeben die Sparkassen-Kulturstiftung und der dbv Hessen außerdem jedes Jahr bis zu drei Förderpreise für kommunale oder kirchliche öffentliche Büchereien, die ehren- oder nebenamtlich geführt werden. Die Förderpreise sind mit jeweils 1.500 Euro dotiert. Die Bewerbungsfrist um einen der Förderpreise endet am 28. Juli 2017.

Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ist eine Gemeinschaftsstiftung der Sparkassen in Hessen und Thüringen sowie der Helaba und der SV Sparkassen-Versicherung. Neben ihr gibt es in Hessen über 40 von Sparkassen errichtete Stiftungen. Die deutsche Sparkassenorganisation gilt als größter nichtstaatlicher Kulturförderer in Deutschland. Der Bibliothekspreis wurde am 8. Mai 2017 auf dem Hessischen Bibliothekstag in Hanau von Christian Engelhardt, Landrat des Kreises Bergstraße und Vorsitzender des Landesverbandes Hessen im Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv), und Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, feierlich übergeben.

Red.: LLL/dbv
Foto: Stadtbibliothek Bad Vilbel

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