Hessische Gesundheitscamps: Frühzeitig hinter die Kulissen schauen

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Hessische Gesundheitscamps: Frühzeitig hinter die Kulissen schauen

Sie sind vielfältig, spannend und haben Zukunft – Berufe im Bereich Gesundheit und Pflege! Interessierte Jugendliche haben jetzt die Möglichkeit, in einem Hessischen Gesundheitscamp die vielen Berufe in Medizin, Pharmazie, Gesundheit und Pflege live kennenzulernen.

Einmal am eigenen Körper erleben, wie man sich als älterer Mensch fühlt, das ist eine beeindruckende Erfahrung. Wie es funktioniert? Mit einem sogenannten Altersanzug. Wenn man ihn überstreift, kann man sich nicht mehr so bewegen wie vorher. Aus dem Bett steigen, laufen, die Treppen hochgehen – alles fällt viel schwerer. Beim ersten Hessischen Gesundheitscamp für Schülerinnen und Schüler aus der Umgebung von Frankfurt waren aber nicht nur die Erfahrungen mit dem Altersanzug ein echtes „Highlight“. Fünf Tage lang hatten sie Gelegenheit, sich live vor Ort ein Bild über Berufe in der Gesundheit und Pflege zu machen. Ob Labor, Krankenhaus, Pflegeheim, Seniorenheim oder Gesundheitsamt – an allen Einsatzorten gab es spannende Informationen zu Berufen, die echte Jobs mit Zukunft sind und wo es heute um Nachwuchssicherung für morgen geht.

Sich selbst ein Bild machen

„Ein so umfassendes Angebot wie das Gesundheitscamp gibt es nicht häufig. Mir hat es gut gefallen, dass man so viele Infos aus verschiedenen Bereichen der Gesundheitsberufe erhalten hat und auch einiges selbst ausprobieren konnte, zum Beispiel den Altersanzug. Oft hat man ja nur ein ungefähres Bild von den Gesundheitsberufen. Ich habe viel Neues erfahren“, sagt Lukas Wahl von der Graf-Stauffenberg-Schule in Flörsheim. Genau darauf zielt das neue Angebot zur vertieften Berufsorientierung und nachhaltigen Fachkräftesicherung ab: Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren können an verschiedenen Lern- und Erlebnisorten hinter die Kulissen schauen und die Arbeit und Jobs im Gesundheits- und Pflegesektor miterleben.

Fünf Tage Gesundheitsberufe hautnah

Ein umfang- und abwechslungsreiches Programm erwartete die 20 Teilnehmenden des ersten Camps. So konnten sie in den Ausbildungslabors von Provadis am Industriepark Höchst in kleinen Gruppen selbst Acetylsalicylsäure (bekannt unter anderem als Wirkstoff in Schmerzmitteln) herstellen, lernten die Aufgaben des Gesundheitsamtes Frankfurt sowie die Arbeit von Fachkräften aus Hygiene- und Pflegeberufen kennen und besuchten verschiedene Abteilungen des Frankfurter Krankenhauses „Hospital zum Heiligen Geist“. Einen intensiven Eindruck davon, was Altenpflege heute bedeutet, bekamen die Teilnehmenden im Hufeland-Haus der Inneren Mission Frankfurt.
Im Arbeitsmedizinischen Zentrum am Industriepark Höchst ging es um Gesundheitsprävention und was jeder selbst dazu beitragen kann. Abschließend erhielten sie von der Agentur für Arbeit einen ausführlichen Überblick über die rund 20 Berufe im Bereich Gesundheit.
„In der Schule ist Chemie mein Lieblingsfach. Deshalb habe ich mich gefreut, dass ich am Gesundheitscamp teilnehmen konnte. Der Tag im Labor hat mir besonders gut gefallen“, erzählt Chaymae Ell Alloui von der Heinrich-von-Brentano-Schule in Hochheim. „Insgesamt war das Camp sehr informativ. Ich würde es unbedingt weiterempfehlen, weil es viele Einblicke gibt und motiviert, sich für eine Berufsrichtung zu entscheiden. Meine Entscheidung ist schon gefallen.“

Lohnende Initiative zur Fachkräftesicherung

Das Konzept der Hessischen Gesundheitscamps hat der Bildungsexperte Provadis entwickelt. Kooperationspartner sind das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, das Hessische Kultusministerium und die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Die Gemeinschaftsinitiative wird im Jahr 2017 aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration gefördert.
Gemeinsam mit den Arbeitsmarktpartnern setzt die Hessische Landesregierung bei der nachhaltigen Fachkräftesicherung im Wandel der Arbeitswelt auf einen Strategiemix aus Bildung, Arbeitsmarktpolitik und Internationalisierung. Die Hessischen Gesundheitscamps sind eine weitere, bedeutende Maßnahme zum Finden, Binden und Halten von Fachkräften. Wegen der Fachkräfteengpässe im Gesundheits- und Pflegebereich ist es wichtig, junge Menschen frühzeitig auf das breite Spektrum der Berufe aufmerksam zu machen, sie die Vielfalt der Ausbildungsberufe erleben zu lassen, ihnen Kontakte zu Arbeitgebern und Auszubildenden zu ermöglichen und Begegnungsräume zu schaffen. „Junge Menschen, die ein besonderes Interesse am Dienst am Menschen haben, werden dadurch Wege in die Jobs mit Zukunft aufgezeigt. Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen lernen hier ihre Fachkräfte von morgen kennen“, sagt Arbeits- und Sozialminister Stefan Grüttner.

Weitere Gesundheitscamps in Vorbereitung

Die Hessischen Gesundheitscamps richten sich an interessierte Jugendliche, die eine Hauptschule, eine Realschule, ein Gymnasium oder eine Gesamtschule im Umkreis eines der Camp-Standorte besuchen. Das gesamte Projekt gilt als schulische Veranstaltung und ist für die Teilnehmenden kostenlos. Der Bildungsdienstleister Provadis bringt seine Kompetenz in der Berufsorientierung als Fachkräfte-Entwickler der Industrie sowie die Erfahrungen aus einem Pilotprojekt ein. „Durch die Nähe zur Gesundheitsindustrie ist es und gelungen, kompetente Partner mit an Bord zu holen“, sagt Projektleiter Georg Dinca von Provadis. „Das erste Camp hat gezeigt, dass unser Konzept funktioniert. Für jeden war etwas dabei. Die Jugendlichen konnten viele wertvolle Einblicke gewinnen.“

Foto: Zum Abschluss des ersten Hessischen Gesundheitscamps besuchten die Kooperationspartner die Veranstaltung in Frankfurt (von links): Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, Arbeits- und Gesundheitsminister Stefan Grüttner und Dr. Udo Lemke, Geschäftsführer Provadis.

Redaktion und Fotos: Provadis

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