Globish – die neue Weltsprache?

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GlobishEine Weltsprache wird mehrheitlich von Sprechern gesprochen, die diese nicht als Muttersprache gelernt haben. Das Englische genügt diesem Kriterium, mit einer geschätzten Zahl zwischen zwei und drei Milliarden Menschen, die wenigstens ein wenig Englisch sprechen können.
Weltweit finden etwa 80 Prozent der englischsprachigen Kommunikation ohne Muttersprachler statt. Der britische Anglist David Crystal vermerkte dazu bitter: „Die Weltsprache ist nicht Englisch, sie ist schlechtes Englisch.“ Der Siegeszug des Englischen hat die Konsequenz des Verlusts der muttersprachlichen Standardisierung. Dieses Problem stellt sich zuvörderst in den jeweiligen Zentren der Varietäten (Großbritannien, USA, Australien, Indien, Südafrika, Kanada), aber verstärkt auch den Nicht-Muttersprachlern: Welches Englisch sollen sie lernen?

Globish wurde nach der Jahrtausendwende entwickelt mit der Absicht, ein effektives Werkzeug der Kommunikation zu sein. Die Idee entstand im Kontext internationaler Konferenzen und verdankte sich der Beobachtung, dass die Anwesenheit von Englisch-Muttersprachlern die Kommunikation behinderte, die zwischen den Nichtmuttersprachlern auf der Basis von reduziertem und durchaus schlechtem Englisch gut funktionierte.

Globish bietet ein vereinfachtes, aber korrektes Englisch mit einem beschränkten Basiswortschatz (1500, mit Ableitungen ca. 5000 Wörter), ohne kulturell geprägte Redewendungen und einer abgespeckten Grammatik: mit weniger Zeitformen, Handlungsrichtungen und Modi; Muttersprachler kommen in der Regel mit 3500 Wörtern aus. Globish ist also keine Kunstsprache wie Esperanto, sondern eine definierte Teilmenge des Englischen, ein „geschlossenes System einer natürlichen Sprache“.
Was spricht für Globish? Einmal die Tatsache, dass sich ein Großteil der weltweit Kommunizierenden bereits auf dem Umweg über schlechtes Englisch auf Globish zu bewegt.
Wo perfektes Englisch erfahrungsgemäß Missverständnisse produziert, dient Globish schnörkelloser Information und nüchterner Kommunikation. Zum anderen die Erwartung, dass Globish den Stress nimmt, das Englische „perfekt in Wort und Schrift“ beherrschen zu müssen, denn der überwiegende Kommunikationsbedarf funktioniert auch mit Globish.

Und nicht zuletzt das ökonomische Argument: die Anstrengungen zum weltweiten Erwerb des Englischen unter falschen Prämissen (je perfekter, desto besser) gehen in die Milliarden. Was spricht gegen Globish? Bisher nichts, außer: Es fehlen im deutschsprachigen Raum Lehrwerke und die entsprechenden Kurs-Angebote. Die Volkshochschulen machen sich derzeit auf den Weg, diese Lücke zu schließen.

Red.: LLL/Bernd Eckhardt
Foto: pixabay

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Bernd Eckhardt

Bernd Eckhardt

Leiter Fachbereich Sprachen an der VHS Frankfurt bei VHS Frankfurt
Sprachexperte
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